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“Liebe auf den zweiten Blick” 03

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Nur etwa zehn Minuten später stand Barry vor der Tür und atmete tief durch, da jetzt wußte, daß Jamie auf ihn abfuhr. Er selbst hatte es wegen seiner Art nicht bemerkt - aber sein Onkel hatte ihn das gesteckt, und nun war er doch etwas nervös. Aber er klopfte, da er natürlich nie einfach reingehen würde, und wahrscheinlich gingen sie eh gleich zum Essen. Innerlich verstand er aber noch immer nicht so ganz, warum ein so schöner Mann auf ihn abfuhr ... denn er war eher ein robuster Typ, und gerade sein Bart und seine etwas wüsten Haare sorgten dafür, daß er kaum angesprochen wurde.

Doch gerade die Natürlichkeit Barrys und dessen Sanftheit waren es, die Jamie anzogen und als es klopfte, schlüpfte er noch in einfache Halbschuhe, steckte sein Handy und den Geldbeutel ein und nahm den Schlüssel, um die Türe zu öffnen und den Größeren anzulächeln. Es war ungewohnt, daß Barry größer war, da Jamie schon 1,81 Meter maß - doch es war schön und so trat der Weißblonde raus, sperrte seine Wohnung ab und steckte den Schlüssel ein. "Schön, daß es so schnell ging - komm, wir fahren mit meinem Auto, das Restaurant ist etwas außerhalb und so besser zu erreichen."

Barry nickte, doch dann kam ihm etwas in den Kopf und er fragte besorgt. „Ist okay, aber geht das mit dem Fahren ? Also mit deinen noch angeschlagenen Rippen, und auch beim Lenken mit der Hand ?“ Er sorgte sich, denn bei einem scharfen Bremsen konnte Jamie sich doch wieder verletzen.

Die ehrliche Sorge war wirklich lieb, so daß der Schlankere sacht lächelte - und nachdem sie in den Aufzug gestiegen waren und in die Tiefgarage fuhren, gab er Barry den Schlüssel seines Autos. "Nein, ich selber sollte nicht fahren ... aber du kannst es, Barry. Und keine Sorge, ich lotse dich - es ist nicht weit, doch gerade wegen den Rippen fahre ich ungern mit der U-Bahn." Dann kamen sie unten an und Jamie stieg aus, ging ihnen zu seinem Parkplatz vor und tätschelte kurz seinen einfachen, unauffälligen SUV. "Es macht von außen nicht viel her, aber man hat innen sehr viel Platz und es fährt sich einfach nur wundervoll. Komm, fahren wir." Dann ging Jamie auf die Beifahrerseite und wartete darauf, daß Barry die Zentralverriegelung mit dem Schlüsselanhänger öffnete.

Das passierte auch gleich, und erst jetzt antwortete Barry. „Okay, und ich kann gut fahren.“ Er schob den Sitz gleich etwas zurück und stieg dann langsam ein, um sich direkt anzuschnallen. „Und U-Bahn fahren ist auch noch zu heikel, da wird man oft angerempelt.“ Er kannte es und in seiner Größe mußte er sich sogar etwas ducken, da er schon hin und wieder mit dem Kopf an die oberen Haltestangen gestoßen war.

Auch Jamie stieg ein und schnallte sich an, ehe er aus seinem Geldbeutel eine Codekarte zog und sie schon einmal bereithielt. "Ganz genau - viele sind sehr rüpelhaft, und gerade das kann ich mir mit den Rippen nicht leisten. Wäre es nur das Handgelenk, wäre es kein Problem - der Gips schützt gut. Aber für die Rippen habe ich nur eine Bandage, das hilft nicht. Gut, der Gurt ist auch nicht ideal, aber besser. Fahr einfach hier nach vorne und die Rampe rauf, am Ausgang ist dann ein Kartenleser."

„Okay.“ Die Codecarte nahm Barry noch nicht an ... er fuhr erst die Rampe hoch, und stoppte bei dem Kartenleser. Dort öffnete er das Fenster und nahm dann die Karte, um sie vor den Leser zu halten. Als die Schranke hochging, fuhr er ein kleines Stück hinaus, und gab die Karte dann zurück. „Gut, daß du so etwas hast, da ist das Auto sicherer.“

"Ich bin auch froh darum ... und es gibt auch eine Überwachung der Garage, die Nachtwächter sind nicht nur für das Wohnhaus da." Jamie nahm die Karte und steckte sie wieder ein, ehe er Barry sagte, wie er fahren sollte. Im Auto schwiegen sie die meiste Zeit ... nur, wenn eine Abzweigung kam, lotste Jamie ihn weiter, bis sie schließlich etwas weiter außerhalb hielten und parkten. "Hier ist es ... und ich freue mich schon darauf, mit dir dort zu essen, Barry."

Barry blickte kurz dahin und war doch erleichtert, denn er sah, wie zwei Arbeiter mit einem Essen für unterwegs herauskamen. Also würde er sich da auch wohlfühlen, parkte gekonnt ein und stieg langsam aus. Er wartete geduldig, bis Jamie auch ausgestiegen war und sperrte dann das Auto zu, um dem Schlankeren danach den Schlüssel zurückzugeben. „Ich bin gespannt und ich hab eben die zwei rauskommen sehen, also passe ich da auch rein.“ Er sprach es offen aus und war sich wegen den zweien auch sicher, daß er auf die Stühle oder die Sitzbänke passen würde.

Als er das hörte, schmunzelte Jamie leise und nickte kurz. "Ich weiß - und ich habe das Restaurant deshalb auch ausgesucht. Ich mag die Nobelrestaurants nicht, wo man kaum was zu essen für einen horrenden Preis bekommt - und ich würde dich auch niemals so bloßstellen, Barry. Nicht einmal, als ich noch das arrogante Model war, hätte ich das getan ... soviel Anstand habe ich." Natürlich verstand der Weißblonde die Ängste Barrys und hoffte, sie damit zerstreut zu haben ... und er legte kurz die Hand auf dessen Unterarm, ehe er ihm vorging und die Empfangsdame anlächelte, die sie gleich begrüßte. Er bat um eine eher privatere Nische und sie nickte, begrüßte auch Barry so höflich und rief einen der Kellner, der sie gleich zu einer der Nischen brachte.

Eine Nische, die ihnen wirklich etwas Privatsphäre gab, und sehr gemütlich aussah. Barry roch aber schon das Buffet, das sie von weitem sehen konnten, und er wurde einen Moment später verlegen, weil sein Magen laut knurrte. „Ich denke, ich hab doch reichlich Hunger.“

"Natürlich hast du das ? Du arbeitest hart und hast einen großen Körper zu versorgen ... eigentlich solltest du mehrfach täglich etwas essen, damit du keine Einbußen hast." Dann wandte sich Jamie zu dem Kellner und sagte ihm Bescheid, daß sie einmal das normale Paket und einmal das große Paket nehmen würden, und der Kellner notierte es sich gleich mit der Tischnummer, ehe er sich wieder verabschiedete. "Am Buffet gibt es Tabletts und auch Teller, sowie Gläser ... und man kann sich so oft nachholen, wie man mag. Also halte dich nicht zurück, ich freue mich darauf, daß wir zusammen essen und uns ein wenig unterhalten können."

„Okay und keine Sorge ... ich esse immer genug, wenn richtig Arbeit ist, und das Beraten ist anders für mich als das Umbauen und Schreinern.“ Barry hatte mehr Streß bei solchen Beratungen, denn es forderte ihn oft mehr als das normale Arbeiten. Er ging aber nun mit Jamie zu den Tabletts und nahm sich eines, dazu einen großen Teller. Das Getränk würde er sich danach holen und er war erleichtert, daß es hier diese Tablettschiebegitter am Rand des Buffets  gab, so mußte Jamie selbst keins tragen. Aber er hätte es für ihn getragen, wenn das Teil nicht da wäre, und sich nach ihm sein Essen geholt.

Es war angenehm, das Tablett immer etwas weiter zu schieben und sich zu holen, was er wollte ... und Jamie tat es auch, da er nun keinen strengen Normen mehr entsprechen mußte. In den letzten beiden Wochen hatte er deshalb einige Kilo zugenommen - doch es sag gut an ihm aus, und er wirkte nun nicht mehr so mager wie früher. Am Ende des rundumreichenden Vorbaues, auf dem man die Tabletts schieben konnte, standen auch kleine, einfache Servierwagen, in die man vier Tabletts schieben und diesen dann an den Tisch zurückrollen konnte ... und Jamie lächelte zu Barry, der sein Tablett wie erwartet und gehofft gut gefüllt hatte. "Kannst du mir vielleicht helfen und mein Tablett in den Wagen schieben ? Deines können wir auch gleich reinstellen, und an der Seite sind Abstellmöglichkeiten für Gläser. Ich hole mir ein Wasser, was kann ich dir denn holen ?" Er war nicht mehr so arrogant darauf zu warten, daß man ihn bediente ... und während Barry die Tabletts verstaute, konnte Jamie schon die Getränke für sie beide holen.

„Uhm ... ich trinke auch Wasser beim Essen. Bier usw. gar nicht und ... ähm, einfach Wasser.“ Barry hatte gemerkt, daß er sich verquatschte, stellte sein Tablett in den Wagen und nahm Jamie dann rasch seines ab, um es ebenso in den Wagen zu stellen.

Der Schlankere schmunzelte nur und füllte zwei große Gläser mit Sprudelwasser, stellte sie in die Glashalter an der Seite und nickte kurz zu Barry. "Schiebst du den Wagen zu unserem Tisch ? Das wäre wirklich lieb." Dann ging er vor und achtete darauf, nicht mit Jemandem zusammenzustoßen, nahm dabei auch Besteck und Servietten mit, und legte sie an ihrem Tisch auf die jeweiligen Seiten.

Derweil stellte Barry die Teller vom Tablett auf den Tisch und wartete, bis Jamie sich gesetzt hatte, und setzte sich höflich erst danach. „Dann guten Appetit und es schmeckt bestimmt so gut, wie es aussieht.“ Barry hatte wirklich Hunger, aber er blieb höflich. Daß es gut schmeckte sah man natürlich - alles war immer frisch, und die anderen Arbeiter hier verdrückten auch einiges mit deutlicher Leidenschaft. Aber auch ganze Familien waren hier, und aßen genießend.

"Auch dir einen guten Appetit, Barry - laß es dir schmecken." Jamie hatte sivh vor allem verschiedene Kartoffel- und Nudelsalate auf seinen Teller gegeben und dazu kleine Fleischstückchen, die appetitlich abgebraten waren ... denn so mußte er die verletzte Linke nicht belasten, und konnte gemütlich essen. "Es ist selten, daß ein Mann deines Kalibers kein Bier trinkt ... darf ich fragen, warum ? Ich bin einfach neugierig, auch wenn ich es gut finde."

„Danke, ebenso.“ kam es zuerst von Barry, und dann horchte er wegen der Frage und antwortete sacht. „Wegen Mom und Dad. Sie trinken es dauernd und auch anderen Alkohol, deswegen bin ich zu Onkel John gekommen.“ Er erzählte es, denn er war nicht der Mensch, der etwas verheimlichen konnte. „Deswegen bin ich auch nicht so klug wie andere Menschen.“ fügte er leise an.

Im ersten Moment war Jamie sichtbar betroffen und legte seine Hand auf die viel Größere Barrys, um sie sacht zu drücken. Dann seufzte er leise und wurde wieder ernster, als er ihm antwortete. "Das ist schlimm und ich verstehe dich, daß du die Finger von Alkohol läßt - und ich bin froh, daß du bei deinem Onkel bist, er ist ein sehr netter Mensch und mag dich sehr. Aber bitte sage niemals, daß du nicht klug bist, Barry - das stimmt nämlich nicht, du bist es nur auf eine andere Art. Und wer zu dir sagt du wärst dumm, ist es selbst, und dazu noch ignorant und ein Arschloch. Ich kenne noch einen jungen Mann aus meiner Highschoolzeit, der große Schwierigkeiten mit Mathe und ähnlichen Fächern wie Physik oder Chemie hatte, und seinen Abschluß nur mit Mühe schaffte - doch er ist begnadet mit Motoren und der beste Mechaniker, den ich kenne. Wir schreiben uns noch immer Briefe, auch wenn es nun schon so lange her ist."

„John sagt auch, ich bin nicht dumm ... nur etwas langsamer und gemütlicher. Und dein Bekannter ist gut mit Motoren, ich bin gut mit Holz, und da kann ich rechnen bei den Maßen. Dafür fällt mir das Lesen schwer.“ Man sah, daß Barry erleichtert war, weil Jamie alles so sah. Er hatte von ihm aber auch nichts Schlechtes erwartet, denn er fühlte, daß man ihm sehr vertrauen konnte.

Und das konnte er auch, denn Jamie war selbst in seiner Zeit als arrogantes Model verläßlich gewesen. "Das ist nicht so schlimm, wie manche es sehen, Barry ... du läßt dir einfach mehr Zeit beim Lesen. Und wenn Jemand meckert, dann sagst du es auch so: Denn wenn man nur schnell liest oder den Text nur überfliegt, dann überliest man schnell etwas." Es war eine gute Möglichkeit, Meckerer zum Schweigen zu bringen, denn das Argument war mehr als nur gut und traf auch oft zu. "Und du bist ein sehr lieber Mensch mit einem Herz aus Gold, Barry - das sehe ich schon nach der kurzen Zeit, in der ich dich kenne."

„Du aber auch ... du siehst nun viel glücklicher aus als auf den Bildern, die es von dir gibt, wo man dich privat sehen kann. Und ich bin kein Spanner nach Bildern oder so - ich wollte nur nochmal kucken, wem ich geholfen habe.“ Und weil Jamie ein Topmodel war hatte er nicht gewollt, von der Presse interviewt zu werden, was sonst mit den Medien passieren konnte.

Als er das hörte, errötete Jamie sacht und seufzte leise, ehe er kurz mit den Schultern zuckte. "Ich war auch nicht glücklich - aber das merkte ich erst im Krankenhaus. Es war alles nur falscher Schein und Heuchelei ... und ich war nicht anders. Früher, als ich noch Modedesign studierte, war ich so wie jetzt ... ich hatte auch echte Freunde und war glücklich, auch wenn ich kein Geld hatte. Als ich dann entdeckt wurde, zog ich hierher und brach alle alten Verbindungen ab, nur die zu meinem Brieffreund nicht. Ich dachte, das Geld und der Glamour würden mich erfüllen, doch das war nicht so und ich bin froh, daß ich ausgebrochen bin. Gott, ich war so kalt und arrogant ... es fraß mich regelrecht auf, ich war am Schluß depressiv und überlegte schon, Medikamente zu nehmen. Dabei geht es mir jetzt so viel besser, ohne daß ich Tabletten brauche, und ich bin froh darum. Und das verdanke ich nur dem Unfall und vor allem dir, Barry ... und du bringst weiterhin Licht in meinen Alltag, so wie jetzt." Etwas, das Jamie auch so meinte - denn er fand die Gegenwart und Nähe Barrys schön und lächelte unwillkürlich, da er es genoß, mit ihm zu reden.

Das, was Jamie erzählte, schockte selbst Barry, und er blickte nun zum ersten Mal ernst zu dem Blonden. „So sein zu müssen ist grausam und ich denke es ist gut, daß du geweckt worden bist. Auch wenn du nun körperliche Schmerzen hast, deine Seele war am Kaputtgehen ... das ist das Schlimmste. Und dein Licht zu sein, macht mich glücklich. Weil ich dir auch so helfen kann.“ Auch beim Letzten war er einfach offen.

Und das wiederum sorgte dafür, daß Jamie sanft lächelte und erneut die größere Hand Barrys drückte. "Du hast völlig recht, Barry - und auch wenn es mir lieber ohne die Verletzungen gewesen wäre, nur so habe ich zu denken begonnen und bin dir begegnet." Dann löste Jamie die Hand wieder und aß weiter, ehe er leise schmunzelte und weitersprach. "Ich hoffe, ich bin dir nicht zu forsch, Barry ... ich fühle mich nur so wohl bei dir, und würde dich sehr gerne näher kennenlernen."

„Nein - du bist nicht zu forsch und ich habe nichts dagegen, wenn wir vielleicht gute Freunde werden.“ An eine Beziehung dachte Barry noch nicht, ihm kam erstmal eine sehr gute Freundschaft in den Kopf.

"Das wäre wirklich schön - aber um ehrlich zu sein, würde ich mich freuen, wenn es vielleicht mehr werden könnte ? Ich mag dich sehr, Barry ... und ich würde dich wirklich gerne näher kennenlernen." Jamie hoffte, daß er eine Chance hatte ... doch er würde sich auch mit Freundschaft zufriedengeben, wenn Barry mehr ablehnte.

Barry hatte gerade einen Bissen genommen und verschluckte sich fast, aber er schluckte herunter und trank kurz etwas nach, ehe er antwortete. Er war zwar langsam - aber er wußte, was Jamie meinte, denn er hatte schon einen Wink von seinem Onkel bekommen, und den hatte er ihm eigentlich nicht geglaubt. Aber jetzt stimmte es und schon schlich sich ein sachtes Rot auf seine Wangen, und er rieb sich wieder verlegen im Nacken. „Ganz sicher ? Ich meine ... ich möchte auch.“

"Ja, ganz sicher, Barry. Ich habe bei dir ein gutes Gefühl und ich möchte sehen, ob es nicht noch besser wird. Aber bitte paß mit dem Essen auf, ja ? Ich möchte dich noch länger haben." Das Letztere war als Scherz gemeint, auch wenn sich Jamie ein wenig Sorgen um Barry machte, als dieser sich verschluckte.

„Uhm ... ja, ich war nur so verblüfft, und gerade am essen. Aber ich passe auf, und verschlucke mich nicht nochmal.“ Barry rieb sich wieder verlegen im Nacken und lächelte ganz breit. Dann nahm er den letzten Bissen von seinem Teller und überlegte. „Soll ich dir noch etwas mitbringen ? Einen süßen Nachtisch oder so ?“ Denn das würde er sich jetzt wohl holen, denn seine Portion war groß gewesen, und auch den Salat hatte er recht rasch verdrückt.

Das Angebot war wirklich lieb und Jamie nickte, als er seinen ebenfalls leeren Teller in den Servierwagen schob. "Gerne ... kannst du mir vielleicht ein kleines Stück Käsekuchen bringen ? Keine Sahne oder so, nur den Kuchen." Inzwischen gönnte sich Jamie auch hin und wieder ein wenig Nachtisch, auch wenn er es nicht übertrieb, da er durch den Gips und seine noch immer empfindlichen Rippen nicht trainieren oder schwimmen konnte.

„Okidoki.“ Barry stand auf und ging zu dem Buffet mit dem Nachtisch, um zuerst für Jamie das Stück Käsekuchen zu holen und er selber überflog alles, und brauchte bei der Menge einen Moment, um sich zu entscheiden. Aber dann wählte er ein größeres Stück Karottenkuchen, der Frischkäsecreme hatte, und kehrte dann zurück. „Bitte.“ Mit den Worten stellte er Jamie den Kuchen hin, und setzte sich dann mit seinem Stück hin. „Wenn du so lange anders gegessen hast, dann genießt du das jetzt sicher, hm ?“

"Mehr, als du denkst, mein Hübscher ... gerade das war die größte Tortur am Modeln. Dauernd auf alles zu achten und nichts mehr zu genießen - und wenn, dann mußte ich hinterher viel mehr trainieren, damit es nicht anschlug. Gerade mein Manager war in dieser Hinsicht mehr als nur streng und ich haßte es, wenn er mich und andere Modells wiegen und untersuchen ließ. Jetzt ist es viel ruhiger und ich genieße nicht nur, daß ich endlich normal essen kann und gesund werde, sondern auch viel weniger Streß habe. Ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, was ich als Nächstes mache, da ich nicht nur stillsitzen kann - aber eines weiß ich genau, so etwas Stressiges wie Modeln mache ich niemals wieder." Auch in dieser Hinsicht war Jamie ehrlich zu Barry - einerseits, weil dieser ihm sehr sympatisch war und andererseits, weil er sich mehr als nur sicher war, daß der große Braunhaarige ihn nicht so beurteilte und anheuchelte wie seine früheren Bekanntschaften.

„Hmmm ... das klingt wirklich nach Streß. Und warum machst du nicht das, was du gelernt hast, bevor du Model geworden bist ? Für das schien doch dein Herz zu schlagen, wenn du es lernen wolltest.“ Barry sah das einfach, denn er war gerne Schreiner, und er wollte nichts anderes machen. Sicher arbeitete er auch mit als Zimmermann im Arbeiterteam seines Onkels, aber auch das war Arbeit mit Holz.

Als er das hörte, seufzte Jamie leise und nahm einen Bissen des Käsekuchens, während er überlegte, wie er es am Besten sagen sollte. "Um ehrlich zu sein - ich habe dir ja schon erzählt, daß ich Modedesign studierte. Aber um groß herauszukommen, mußt du Mode für die Reichen und Models designen, und das liegt mir nicht. Ich bin in meinen Entwürfen niemals so extravagant gewesen, um in diesem Bereich bestehen zu können ... ich dachte immer eher an einfachere Entwürfe, die man auch im Alltag tragen kann, oder nur ein wenig Edleres für den Besuch in der Disco oder einem Restaurant. Als ich begriff, wie auf einen Designer herabgesehen wird wenn er auf die normalen Menschen achtet, habe ich es aufgegeben und bin Model geworden ... dumm, nicht wahr ? Allerdings könnte ich sonst nicht die beiden Wohnungen und auch deinen Onkel und dich bezahlen, da ich sonst nicht das Geld dafür hätte."

„Aber jetzt bist du noch berühmt als Model, auch wenn du das nicht mehr arbeitest. Du kannst nun Sachen machen, die du machen willst, und sie werden sicher abgenommen. Und du kannst gern Sachen für welche wie mich machen oder andere für Menschen, die nicht ganz normal gewachsen sind. Die Reichen können sich die modernen Jeans in der Optik kaufen und machen lassen, die sie wollen, aber einfache Leute nicht. Und sonst kann Onkel dir helfen - er hat Wirtschaft studiert, ist aber lieber im Bau.“ Barry sah es zum Teil einfach und erwähnte da auch gern seinen Onkel, denn er half ihm auch bei dem, was mit der Bank und Sonstigem zu tun hatte. „Du bist noch berühmt, du kannst deinen Traum nochmal starten.“

Das brachte Jamie zum Schmunzeln und er nickte, ehe er nach einem weiteren Kuchenstück antwortete. "Um ehrlich zu sein ... ich habe schon, als wir über die Möbel redeten darüber nachgedacht, vielleicht in diese Richtung zu gehen. Als ich studierte, verdienten sich viele Modedesignstudenten ein wenig Geld nebenher, um für die Footballer, Basketballer und Wrestler Kleidung zu schneidern ... auch ich habe es gemacht, da ich mir mein Studium verdienen mußte. Die Idee ist sehr gut, und ich glaube, ich kann einige meiner früheren Freunde dafür begeistern. Also wenn sie noch mit mir reden natürlich, aber ich werde sie Morgen einmal anrufen."

„Ich denke, sie werden dich noch mögen. Echte Freunde bleiben echte Freunde, auch wenn eine lange Pause da war.“ So sah es Barry wieder und genoß als Nächstes den Kuchen, und man sah, wie gut er ihm schmeckte.

Etwas, das Jamie mit einem stillen Lächeln beobachtete und sich für ihn freute. Gerade die freundliche Ehrlichkeit des großen Mannes war so schön und erfrischend für Jamie, daß er es sehr genoß ... und er fragte sich insgeheim, was dieser für einen Fehler haben könnte, da er nicht nur einen herrlichen Körper und ein goldenes Herz besaß, sondern auch eine sanfte Seele. "Ich hoffe es, Barry ... mit Sicherheit werde ich es erst Morgen wissen, wenn ich sie angerufen habe."

„Aber bis dahin einfach nicht dran denken, und jetzt den Kuchen genießen.“ Barry lächelte und schob sich ein Stück vom hinteren Kuchenteil herein, denn er hatte ganz bewußt von innen nach außen gegessen, denn dort war am Meisten Frischkäsecreme drauf, und genau den Bissen genoß er sichtlich. Daß etwas von dem Frischkäse an seinem Bart kleben geblieben war, merkte er noch nicht, und ein zweites von den Stücken folgte, nachdem er genüßlich das erste Stück verputzt hatte.

Natürlich beobachtete ihn Jamie, doch als er das Stückchen der Käsecreme sah, hob er die Hand und nahm es ihm sanft mit dem Finger vom Bart, um es dann von seiner Fingerkuppe abzulecken. Der Blick Barrys war herrlich und der Weißblonde schmunzelte leise, als er ihn ebenso leise fragte. "Ist etwas ?"

Es war etwas gewesen, das Barry nie erwartet hätte und es war ihm aber auch peinlich, daß etwas von der Kuchencreme an seinem Bart hängengeblieben war. „Ähm ... nein, ich hatte nur nicht damit gerechnet und ich glaube, ich muß den Bart wieder etwas kürzen. Oder soll er lieber ganz ab ?“ Er war nun unsicher, denn Bärte gefielen nicht  jedem, und sie mochten sich ja.

"Nein - laß ihn ruhig. Vielleicht etwas kürzen, aber laß ihn. Ich mag den Bart an dir, er steht dir,Barry - ich selber sehe dumm mit Bart aus, aber dir steht er." Alleine schon der Gedanke, daß Barry sich so für ihn verändern wollte, schmerzte Jamie - denn er wußte, daß er vor dem Vorfall vielleicht sogar gefordert hätte, daß Barry den Bart abrasiserte. Doch nun war es anders und nach einem Moment des Zögerns stand Jamie leicht auf und neigte sich über den Tisch, hauchte einen sanften Kuß auf die Lippen des Größeren und setzte sich dann wieder hin. Dabei zeigte sich eine leichte Röte auf den Wangen des Weißblonden und er hoffte, daß er jetzt nicht zu weit gegangen war.

Barry war beim herüberneigen ruhig geblieben und war allein davon so überrascht gewesen, daß der Kuß ihn noch mehr überraschte. Der Kuß war ganz sanft gewesen, und Barry wurde wieder leicht verlegen und sah zum ersten Mal, daß auch Jamie verlegen war.  Er faßte sich dann aber wieder und sprach sacht. „Der Kuß war leckerer als der Kuchen ... und mein Erster.“

"Dein ... Erster ?" Im ersten Moment konnte Jamie nicht glauben, was er da hörte ... und das sah man ihm auch deutlich an. Doch dann kam ihm langsam, was das eigentlich hieß und er fällte einen Entschluß. "Ich kann es fast nicht glauben, Barry - gerade so ein Juwel wie du sollte schon lange vergeben sein. Doch ich freue mich andererseits darüber, daß ich nun die Gelegenheit habe und wenn ich dir zu schnell oder zu forsch bin, sage es mir bitte, ja ? Ich möchte nicht, daß du dich zu irgendetwas gezwungen fühlst, oder noch nicht zu etwas bereit bist. Und ja ... auch ich fand den Kuß sehr schön, und sehr lecker."

„Mein Herz klopft bei dir, deswegen mein erster Kuß. Und ich suchte nie eine Beziehung, ich war so immer sehr zufrieden.“ Barry sprach leise und lächelte nun warm. „Und du warst zu schnell und zu forsch ... und wir lernen uns denke ich, langsam etwas kennen.“ Er ging darauf ein, daß sie sich kennenlernten, und nahm nun den letzten Kuchenhappen und verdrückte ihn genießend.

"Ist es schlimm, daß ich zu schnell bin ? Wir können uns auch Zeit lassen, Barry ... ich wollte nur, daß du weißt, daß ich großes Interesse habe und dich mag." Dann nahm Jamie noch einen Schluck Wasser, da er mit dem Kuchen schon fertig war, und beobachtete sein Gegenüber lächelnd beim Essen.

„Nein, nicht schlimm, und ich brauche hin und wieder ein Anschubsen, um etwas zu verstehen. Und dein Kuß war ein gutes Schubsen.“ Barry antwortete wegen der Frage und stellte danach unbewußt das Geschirr, das leer war, ordentlich übereinander und auf das Tablett. „Uhm, bleiben wir noch etwas, oder fahren wir gleich ?“

Auch Jamie stellte sein Geschirr auf das Tablett des Servierwagens und überlegte einen Moment. "Um ehrlich zu sein, würde ich gerne noch ein wenig mit dir reden und dich kennenlernen, Barry ... aber vielleicht nicht hier, sondern bei mir Zuhause ? Es wäre ruhiger, und dort sind wir ungestört. Und ich möchte den Arbeitern nicht den Tisch wegnehmen, gleich ist Mittagspause und besonders viel los."

„Ist okay - und ja, ich denke hier wird es voll werden, wenn Mittagspause ist, und auch wegen dem sehr guten Essen hier.“ Barry war damit einverstanden und stand nun auf, um das Geschirr wegzubringen, während Jamie bezahlte. Sie hatten ja in Ruhe gegessen und auch schon etwas geredet, und Barry würde sie beide auch wieder ganz sicher zu Jamies Wohnung fahren.

 

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